Ich, als Autorin, kann ja gar nicht mehr „privat“ sein. Mindestens zwanzig Prozent meines Bewusstseins beschäftigen sich ständig mit irgendeinem Aspekt des Schreibens, Gestaltens, Veröffentlichens und Bewerbens meiner Bücher. Ganz egal, wie banal und alltäglich die Tätigkeit ist, die ich ausführe. Besonders aktiv aber wird die geistige Aktivität, wenn ich etwas „Besonderes“ mache.
Nun wollte ich eigentlich eben ganz privat zum Frauentag einen vorfrühlingshaften Ausflug ins Märzenbechertal bei Landgrafroda unternehmen. Dementsprechend hatte ich weder Schreibzeug noch Bücher dabei. Die Vorfreude über einen Tag bar aller (Autorinnen-)Verpflichtungen wandelte sich allerdings schnell in leichten Ärger. Während ich den anderen Besucherinnen gleich – argwöhnisch vom jeweiligen männlichen Begleiter beäugt – kniend, hockend oder sonstwie bemüht elegant auf dem Boden kreuchend versuchte, das hübsch blühende Grünzeug zu fotografieren, schlichen sich Gedanken, wie das Buch zu positionieren sei, ein. Und mit ihnen das Bedauern über die verpasste Gelegenheit. Sind die Märzenbecher doch ideal für Buchwerbefotografie: Klein aber nicht zu detailliert, um vom Motiv abzulenken. Der Hintergrund ist noch kahl und unkleinteilig genug, um nicht zu stören und die Farben heben sich leuchtend ab.
Aber mir ging’s wie im Urlaub, ich hatte kein Buch für Werbefotografiezwecke dabei. Noch nicht mal im Auto. Also gibt’s die Märzenbecher-Werbefotos frühestens nächstes Jahr.

Dann eben Werbung fürs Pilgern statt Buch
Da es aber ein schönes Ausflugsziel ist und der Kuchen der Dorfbäckerei absolut empfehlenswert, mache ich euch trotzdem schon dieses Jahr Lust, die Märzenbecherblüte zu besuchen. Es empfiehlt sich aus Mangel an Parkmöglichkeiten, das Fahrzeug außerhalb stehen zu lassen und den Besuch des Ortes in eine Radtour einzubinden, wobei die Räder im Dorf zurückgelassen und das Tal zu Fuß erkundet werden sollte. Aufgrund der Vielzahl der Besucher ist es für alle Beteiligten kein Genuß, wenn sich Radfahrer vorbeischlängeln. Zumal die Blümchen und deren Einbettung in die Landschaft zu filigran sind, um sie im Vorbeiradeln zu erfassen.
Für das Motiv unten musste ich einiges an Geduld aufwenden und es gibt die Besucheranzahl sehr unzureichend wieder! Ein Beispiel fürs Pilgern im weltlichen Sinne.
Beim Wandeln durchs Märzenbechertal findet man sich übrigens in genau die Situation versetzt, die Johnann Wolfgang von Goethe im „Osterspaziergang“ beschreibt. Abzüglich des Blicks zurück zur Stadt und der überladenen Nachen auf dem Fluß – dazu ist das Bächlein zu klein. Dafür komplett mit „des Dorfs Getümmel“ – was mich dazu motiviert hat, den „Osterspaziergang“ im Thale meinem Begleiter auswendig zu rezitieren.
Der Ausflug ist nicht tagesfüllend, selbst bei geruhsamer Wanderung durch das Tal ist es in weniger als einer Stunde ab/an Ortsmitte erkundet. Aber das nahe Saaletal bietet vielzählige weitere Sehenswürdigkeiten. Auch wir haben das Märzenbechertal um die Klosterkirche Zscheiplitz und das Sonnenobservatorium Goseck ergänzt.

